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Das Ende Israels und Judas - ein Strafgericht Gottes?
Die Propheten sahen, wie sich die Gewitterwolken über den Israeliten langsam zusammenzogen,
wie sich allmählich Gottes Strafe für die vermeintlichen Vergehen der Israeliten am Horizont abzeichnete: Im Laufe der Zeit hatte
sich die ägyptische Großmacht wieder gefestigt, waren nordöstlich von Palästina neue Großreiche entstanden, Reiche mit einem aggressiven
Expansionsdrang und einer brutalen, mörderischen Kriegsführung, allen voran Assyrien. Israel wurde 722/1 v. Chr. von den Assyrern
vereinnahmt, die israelische Oberschicht deportiert. "Auf dem ehemaligen Gebiet Israels wurden Bauern aus Babylon, dem nordsyrischen
Hamath sowie Araber angesiedelt [...]. [...] Damit endete das Königreich Israel."[1] Juda blieb nur eine relativ kurze Verschnaufpause: Nach dem Niedergang des Assyrerreiches geriet Juda vorübergehend unter ägyptische Hoheit. "Im Jahre 605 [v. Chr.] ging die ägyptische Herrschaft über Syrien-Palästina zu Ende [...]. Der Babylonier Nebukadnezar (604-562 [v. Chr.]) etablierte ein neues Weltreich im Vorderen Orient."[2] Damit hatte die Oberhoheit über Juda zwar gewechselt, "die Abhängigkeit [Judas] und die damit verbundenen leidigen [Tribut-]Zahlungen allerdings nicht."[3] "[...] so erklärt sich die Entscheidung [des judäischen Königs] Jojakims, die Zahlungen an Babylon einzustellen, als Nebukadnezar 600 [v. Chr.] in Ägypten eine Niederlage erlitt. [...] Jerusalem wurde drei Monate lang von Babyloniern belagert, dann kapitulierte Jojachin[, der seinem verstorbenen Vater Jojakim auf den Thron gefolgt war]. Dadurch entging die Hauptstadt 597 [v. Chr.] noch einmal der Zerstörung. Die üblichen Deportationen des Herrschers [Jojachin], seiner Familie, des Hofstaats und der obersten Beamten konnte allerdings niemand verhindern. Das gleiche Schicksal traf die waffenfähige Oberschicht und die Handwerker [...]. Die Babylonier setzten in dem erneut verkleinerten Juda einen [...] Verwalter ein: Zedekia [...]."[4] Als sich Babylon 589 v. Chr. im Innern und an sämtlichen Grenzen mit zahlreichen Problemen konfrontiert sah, befahl Zedekia den Aufstand gegen Babylon.[5] "Noch im selben Jahr rückten Truppen Nebukadzezars in Juda ein"[6] und eroberten 587/586 v. Chr. erneut Jerusalem. Die Stadt wurde samt Tempel vollständig zerstört und wieder "wurden Teile der Bevölkerung und der ländlichen Oberschicht [nach Babylon] deportiert" [7]. Diese Zeit des Babylonischen Exils sollte für die Verschleppten bis 538 v. Chr. dauern. Wie verstanden die Propheten diese Geschehnisse? Als Strafe ihres Gottes für gottloses Betragen. __________ 1. Clauss, Manfred: Das alte Israel. Geschichte, Gesellschaft, Kultur. München: C. H. Beck, 20032, S. 56/7 2. Ebenda, S. 75 3. Ebenda 4. Ebenda, S. 76 5. S. ebenda, S. 77 6. Ebenda 7. Ebenda, S. 78 |