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Hoffen auf den Messias

Mit der Rückkehr der israelitischen Verschleppten aus dem Babylonischen Exil und dem Neustart des jüdischen Staates, Judäa, unter der Schirmherrschaft des persischen Reiches wuchs auch wieder die Sehnsucht nach einem Messias, der jetzt, nach dem Strafgericht ihres Gottes, ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit, ein messianisches Reich errichtet und das Kommen ihres Gottes und seines Reiches im Gelobten Land vorbereitet.

"Als Haggai und Sacharja wegen ihrer Naherwartung jemanden nennen mussten, der das Herrscheramt sofort übernehmen konnte, fanden sie ihn in der Gestalt Serubbabels, eines Enkels des früheren Königs Jojachin. Nach dem Scheitern der an ihn geknüpften Hoffnungen legte man sich dagegen nicht mehr auf eine bestimmte Person fest, sondern sprach allgemein von einem Sprössling oder Wurzelschoss an dem übriggebliebenen Stumpfe Isais, von einem Abkömmling der alten betlehemitischen Linie. Es ist nicht David persönlich, der auf wunderbare Weise zurückkehrt, kein wiedererstandener oder von Neuem inkarnierter David, kein Davidus redivivus. Das ist ein für die alttestamentliche Zeit unvollziehbarer Gedanke. Auch wenn der eschatologische Herrscher einfach ›David‹ genannt wurde, war es nur eine verkürzte Bezeichnung für einen Abkömmling der früheren Dynastie.
Der Messias ist kein übernatürliches Wesen, das auf die Erde herabkommt, sondern ein Mensch wie andere. Von ihnen unterscheidet er sich lediglich dadurch, dass er zu Jahwe als dessen Stellvertreter in einer besonders engen Beziehung steht und der früheren Dynastie entstammt. Nicht der Messias ist wunderbar; wunderbar werden vielmehr die von Jahwe heraufgeführte Heilszeit und das von ihm errichtete Reich sein. [...] Die Aufgabe des Messias wird darin bestehen, dass er als ein gerechter König auf dem Throne Davids sitzen und regieren wird."[1]

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1. Fohrer, Georg: Geschichte der israelitischen Religion. Berlin: Walter de Gruyter & Co, 1969, S. 360/361

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