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Höhlen bei der Essenersiedlung Qumran. In solchen Höhlen versteckten die Essener ihre Bibliothek vor den um ca. 70 n. Chr. anrückenden römischen Soldaten

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:
Qumran_Hielen.jpg?uselang=de#Lizenz (16.6.25)

04E1i:

Der Lehrer der Gerechtigkeit, die Essener und ihre neue Art, die Schriften der Propheten zu lesen

Etwa um 150 v. Chr. wurde der zeitweilige Hohepriester am Jerusalemer Tempel von dem damaligen jüdischen Machthaber Jonatan aus dem Amt gedrängt. Aus Protest sagten sich Priester-Gruppen vom Tempel los und gründeten die Gemeinde von Qumran am Nordwestzipfel des Toten Meeres.
Der aus dem Amt gedrängte Hohepriester bildete das Haupt der Gemeinde und nannte sich hinfort "Lehrer der Gerechtigkeit", die Gemeinde erhielt den Namen "Essener" (die "Reinen").
"Eine besondere Einsicht des Lehrers der Gerechtigkeit bestand in der Auffassung, alles, was Gott die biblischen Propheten einst hatte niederschreiben lassen"[1], seien Vorhersagen für die Zukunft.
"Wenn die biblischen Propheten die gesamte letzte Phase der Weltgeschichte vorausblickend im Einzelnen beschrieben hatten, dann mussten sich in ihren Büchern auch Daten finden lassen, denen die Dauer dieser Zeitphase und der Termin des Endgerichts zu entnehmen war."[2]
Die Essener rechneten und ermittelten schließlich das Jahr 70 n. Chr. für das Endgericht. Für die Endzeit bis zum Endgericht und dem Beginn der Heilszeit kamen sie auf einen Zeitraum von 40 Jahren[3].
Dann musste noch vor dem Jahr 30 n. Chr. - nach dem Propheten Maleachi (3,23/4) - der Prophet Elija wiederkehren und Gott einen Weg in der Wüste bahnen und in der Steppe eine ebene Straße für ihn bauen (s. Jes 40,3).

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1. Stegemann, Hartmut: Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus. Freiburg, Basel, Wien: Herder, 1993, S. 172
2. Ebenda, S. 173
3. S. ebenda, S. 288

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