09E2:

Die nazoräischen Freunde Jesu bewahren ihn vor dem Tod am Kreuz

Als für die nazoräischen Freunde von Jesus klar geworden war, dass er tatsächlich ernst machte, sannen sie auf seine (mögliche) Rettung: Sie bauten dabei auf die römische Sitte, dass bei Kreuzigungen eine Schale mit "Essig" (ein mit Wasser verdünnter saurer Wein (lat. posca)) und ein Schwamm bereitlagen, um dem Gekreuzigten mittels eines Stocks Flüssigkeit zuführen zu können. Sie tränkten vorher einen Schwamm mit einem "Schlaftrunk", wie er damals für Operationen verwendet wurde[1], trockneten ihn und zwei oder drei Nazoräer, die Jesus nicht bekannt waren, sollten unter dem Kreuz eine Gelegenheit nutzen, um Jesus den inzwischen mit dem "Essig" befeuchteten Schlafschwamm an den Mund zu halten.
Nachdem Jesus nun bereits sechs (halachische) Stunden am Kreuz gehangen hatte, aber offensichtlich nicht das geschehen war, was Jesus nach Deuterojesaja erwartet hatte, rief er in seiner Verzweiflung: "Eloi, Eloi, lema sabachtani?" (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?), was für die Nazoräer unter dem Kreuz ein klares Indiz dafür war, dass Jesus sich geirrt hatte. Einer der Nazoräer befeuchtete daraufhin den präparierten Schwamm in der Schale und hielt ihn Jesus mittels des bereitliegenden Stocks an den Mund. Jesu saugte offenbar daran, worauf er das Bewusstsein verlor (Mk 15,35-37). In diesem Zustand schafften sie ihn anschließend in ein Grab und kümmerten sich dort um seine Wiederbelebung.

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1. Siehe dazu Daniel-Rops, Henri: Die Umwelt Jesu. Der Alltag in Palästina vor 2000 Jahren. München: dtv, 1980, S. 317

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