11E2:

Die Missionierung durch die Urchristen beginnt; aus Jesus wird der göttliche "Menschensohn"

Nachdem seine Jünger zunächst im Gebet passiv darauf gewartet hatten, dass Jesus "mit den Wolken des Himmels zur Rechten der Macht" wiederkehren und die vierzigjährige Endzeit beginnen würde, kamen sie, als diese Wiederkehr Jesu ausblieb, zur Überzeugung, ihr Messias Jesus erwarte vor seiner Wiederkehr, dass sie der jüdischen Mitwelt Jesus als den ersehnten Messias verkündeten und die Juden zum Glauben an den Messias Jesus brachten (Paulus weitet dies dann auch auf die "Heiden" aus). Da es aber lächerlich gewesen wäre, den Juden den Beginn der messianischen Endzeit zu verkünden, ohne diesen Messias vorweisen zu können, vertraten sie die Ansicht, Jesus halte sich vorläufig noch im Himmel bei seinem "Vater" auf (wozu er natürlich irgendwann vorher in den Himmel aufgefahren sein musste, woraus die Legende seine Himmelfahrt macht) und warte nur noch darauf, dass die Juden an ihn als Messias glaubten; dann werde er ganz gewiss ohne Verzug "mit den Wolken des Himmels zur Rechten der Macht" wiederkehren.
Diese Vorstellung näherte sich damit so sehr der himmlischen Gestalt des göttlichen "Menschensohns" des Henoch- und des Daniel-Buches an, dass es zu einer Identifikation Jesu mit dem göttlichen Heiland und Erlöser aus dem Henoch- und dem Daniel-Buch kam und somit aus dem Kafarnaumer Bauhandwerker Jesus der göttliche "Menschensohn" des Henoch- und des Daniel-Buches wurde. Während dieser Begriff im Markus- und im Johannesevangelium jeweils vierzehnmal verwendet wird, bei Lukas vierundzwanzigmal, kommt er im Matthäusevangelium sage und schreibe zweiunddreißigmal vor.
Da das Henoch-Buch den Ausgangspunkt einer Glaubensrichtung bildete, die später mit dem Begriff "Gnosis" (Erkenntnis) bezeichnet wurde, wurde Jesus auf diese Weise zur Galionsfigur einer neuen, einer gnostischen Religion, des Christentums, in dessen Theologie er als göttlicher Gottessohn von seinem Gottvater auf die Erde gesandt worden war, um den von Anbeginn der Welt Auserwählten ihre Auserwählung bewusst zu machen und ihnen den (Rück-) Weg in den Himmel zu Gott zu weisen (siehe das Johannesevangelium).

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